Nepalreise März 2015

Bericht über unseren Besuch in Nepal im März 2015

Mit einem Tag Verspätung kamen wir am 10. März 2015 in Kathmandu an. Zuvor hatte die mißglückte Landung einer türkischen Maschine den Flughafen tagelang lahmgelegt. Wir konnten froh sein, nur den einen Tag verloren zu haben.

Noch am selben Abend trafen wir uns mit Deepak Bayshal, unserem Kontaktmann bei Hoste Hainse (die nepalesische Hilfs-Organisation, mit der wir zusammenarbeiten).
Deepak ist ein wandelndes Lexikon, er weiß alles über die Bildungsprojekte von HH.
Er informiert uns über den aktuellen Stand der Patenschaften in Kathmandu, die nach und nach auslaufen, sobald die Kinder die Schule beendet haben. Dieses Jahr erhalten 6 Schüler ihr Abschluß-Zertifikat. Im kommenden Schuljahr, das im April beginnt, werden aktuell noch 21 Kinder an Schulen in Kathmandu durch persönliche Patenschaften gefördert. Die Kosten für ein Schuljahr belaufen sich derzeit auf durchschnittlich 228,00 €. Unsere 150,00 € Mitgliedsbeitrag reichen hier schon lange nicht mehr aus.
Die Paten der abgehenden Kinder werden wir informieren. Es wäre schön, wenn sie unserem Verein treu bleiben und vielleicht für ein Kind in Jhapa die Patenschaft übernehmen würden.
Deepak ist begeistert von der Entwicklung unseres Projekts in Jhapa, ganz im Südosten Nepals, nahe der indischen Grenze. Da Ende März an den Schulen die Jahresabschluß-Prüfungen stattfinden, fliegen wir gleich 2 Tage später, am 12.März zusammen mit Deepak nach Badhrapur, ca 20 Autominuten entfernt von Charpane, uinserem Dorf in Jhapa.


Mehr Fotos gibt es hier (10 Fotos)

Wir werden am Flughafen schon erwartet von Madrap, einem der Initiatoren der Vorschule für Unterprivilegierte aus der Umgebung. In seinem Haus werden wir auch wohnen bis wir Samstags wieder zurück fliegen. Er spricht zwar nicht englisch, aber die Verständigung klappt trotzdem, dank Deepak, der geduldig übersetzt.
Es ist viel interessanter, privat übernachten zu können, als in einem Hotel. Bei dieser Gelegenheit erfahren wir viel über das Leben auf dem Land in Nepal. Alle 3 Praktikanten, die bereits in Jhapa waren haben ebenfalls in diesem Haus gewohnt.
Unser erster Gang gilt dem Kindergarten, der nur wenige Gehminuten entfernt ist. Diesmal haben wir unseren Besuch nicht groß vorher angekündigt. Es dauert aber nur wenige Minuten, da wimmelt es nur so von Menschen. Die Kinder sind gerade beim Lunch, danach kommen ihre Mütter, um sie abzuholen.
Die Lehrerinnen und Initiatoren zeigen uns stolz, was sie in den letzten beiden Jahren verändert haben: Die Betonböden wurden mit grünem Teppichboden ausgelegt, darunter eine dicke Isolation. Ein großer Fortschritt, da die Kinder ausschließlich auf dem Boden sitzen. Im Winter kann es empfindlich kalt werden. Auch wurde ein Durchgang zwischen den beiden Gruppenräumen geschaffen mit einem kleinen Gatter. Das erleichtert die Kommunikation zwischen den Gruppen.
Auf unsere Frage, woran es fehlt, wurde der Wunsch nach einem Staubsauger geäußert. DieReinigung des Bodens wäre so erheblich einfacher und hygienischer. Auch eine kleine Musikanlage wurde als Wunsch genannt. Wir versprachen, uns darum zu bemühen.
Da es für einen Besuch in der Schule zu spät war, fuhren wir gleich per Rikscha in die nächste Stadt, um nach Staubsauger und Musikanlage zu suchen. Wir wurden auch bald fündig und nach langem feilschen konnten wir beides für umgerechnet insgesamt 80 Euro erstehen.
Auch 50 Muffins für den Lunch der Kinder am nächsten Tag haben wir gekauft.
Mit einem Solarmobil, eine Art Rikscha für 4 Personen fuhren wir geräuschlos zurück nach Charpane zu Madraps Haus.

Am Freitag ging es zuerst wieder zum Kindergarten, wo mit großem Hallo der Staubsauger und die Musikanlage ausgepackt und erklärt wurden. Beides wurde sofort ausprobiert. Viele Kinder hatten Angst vor dem Staubsauger, es war ihre erste Begegnung damit.

Anschließend ging es zur Balkalyan Boarding Secondary School, wo wir ein Gespräch mit Nabraj Situla hatten, er ist Manager der Privatschule und unser Kontaktmann.
Er begrüßt die Patenschaften, derzeit unterstützen wir 50 Kinder an dieser Schule.
Seine Sorge gilt jedoch den Hausaufgaben der Schüler, deren ungebildete Eltern ihnen nicht helfen können. Vermutlich müssen einige auch nach der Schule arbeiten und haben keine Zeit zum lernen. Nabraj schlägt vor, nach der Schule eine Hausaufgabenbetreuung ins Leben zu rufen, als zusätzliche Unterrichtsstunde und individuelle Förderung der Schüler.
Diese Maßnahme soll zu besseren Noten führen und ein vorzeitiges Verlassen der Schule verhindern. Wir und auch Deepak finden diese idee sehr gut und fordern ihn auf, sie so bald wie möglich zu realisieren.
Dann ist Pause, wir gehen in den weitläufigen Schulhof, um auf die Kinder zu warten, denen wir Briefe ihrer Paten überbringen. Bald sind wir umzingelt von neugierigen Kindern. Wir zeigen ihnen unseren Flyer, auf dem sich viele wiedererkennen.
Nach vielen Photos und viel Gelächter müssen die Kinder wieder zurück in ihre Klassen.
Auch wir gehen zurück in unser Quartier, in dem wir uns schon ganz zu Hause fühlen.
Im kommenden Schuljahr werden wir 10 neue Kinder unterstützen, die Schule nimmt im Gegenzug 3 Kinder umsonst auf. Das haben wir uns auch für die kommenden Jahre zum Ziel gesetzt.

Am Samstag machen wir einen Ausflug zu den Teefeldern des Ilam. Es geht hoch hinauf und so weit das Auge reicht: Alles Teefelder. Am Nachmittag geht es mit „Buddha Air“ zurück nach Kathmandu.


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Am Sonntag treffen wir uns mit Sulo Schah, ihrem Sohn Krishna und den Mitarbeitern von Hoste Hainse. Krishna Schah ist nach langjährigem Aufenthalt in den USA nach Nepal zurück gekehrt und übernimmt nach und nach die Geschäfte seiner Mutter, auch die Leitung von Hoste Hainse.
Deepak hat den Kostenvoranschlag unseres Jhapa-Projekts für das neue Schuljahr aktualisiert. Es ist leider so, daß die 150 Euro für ein Jahr Schulbesuch pro Kind auch in Jhapa nicht mehr ausreichen. Zur hohen Inflationsrate in Nepal kommt noch der sinkdende Eurokurs. Es werden im Schuljahr 2015/2016 ca 170 Euro notwendig sein.
Zum Projekt Jhapa und den Patenschaften in Kathmandu kommt noch die Unterstützung der 10 Waisen in Bajura. Rein zufällig kam der Kontaktmann von dort zu unserem Treffen dazu.
Er war nach 2 Tagesreisen mit seiner kanken Mutter nach Kathmandu gereist, um sie ins Krankenhaus zu bringen. Ein sehr bescheidener, überaus engagierter Mann, der sich überschwenglich für die Hilfe aus Deutschland bedankte.
Unser Treffen bei Hoste Hainse endete nach 3 Stunden intensiver Gespräche.

Unser Resumee: Ohne Deepak Bayshal geht gar nichts, er kennt sich am besten aus bei HH.
Wir konnten darlegen, in welcher Höhe wir Spendengelder fest zusagen können. Alles, was darüber hinaus geht ist nicht berechenbar und hängt von vielen Faktoren ab.
Um eine Erhöhung der Mitgliedsbeiträge werden wir nicht umhin kommen. Wir schlagen 180 € vor, das entspricht monatlich 15 €. Es wäre die erste Erhöhung seit unserer Gründung 2007.
Am Ende unserer Reise trafen wir uns noch einmal mit Deepak. Wir bedankten uns für seine Hilfe und sein Engagement. Er versicherte uns, daß er sich weiterhin um alles kümmert und dafür sorgt, daß unsere Spenden in unserem Sinne verwendet werden: Für die Bildung unterprivilegierter Kinder in Nepal.

Namaste
Ingrid und Tilo Baur

 

 

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